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Dialoge

(Stand: 08.03.2018)

Tipps für bessere Filmdialoge

Grundsätzlich sind Dialoge nicht zu vermeiden. Man geht durch eine Fußgängerzone und registriert unbewusst: der bzw. die ist sympathisch und der bzw. die nicht. Das ist völlig normal. Im Film geht es aber darum, einer Person ein gewisses Image zu geben, bevor eine endgültige Klassifizierung der Person beim Zuschauer stattgefunden hat. Das ist nicht leicht.
TEXT      Ein Axiom bezeichnet einen Grundsatz, der keines Beweises bedarf.
1. Axiom: Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren.
Beispiel: Jemand schaut in einem menschengefülten Raum permanent auf den Fußboden, obwohl zwischen bekannten Personen rege Gespräche laufen. Zunächst könnte man annehmen, die Person würde nicht kommunizieren. Dennoch tut sie es, indem sie den anderen nonverbal mitteilt, dass sie keinerlei Kontakt möchte. Das kann sein, weil man einfach keine Lust auf die Themen hat, oder aber nur unsicher ist. Hinweis: Die Axiome sind von Paul Watzlawick.
Obwohl Komunikationen/Dialoge wohl nicht zu vermneiden sind, ist es dennoch grundsätzlich nicht so einfach, gute Dialoge zu schreiben. Wenn man aber einige Dinge beachtet, kann etwas Brauchbares dabei herauskommen.

Dialoge an Vorgaben anpassen
Wenn zuerst die Charaktere der Schauspieler wie z.B. Aussehen, Sprache/Dialekt, oder auch das Benehmen feststehen, können Dialoge besser und individueller auf den jeweiligen Charakter zugeschnitten werden. Wenn die konkrete Handlung bereits feststeht, können sich die Dialoge besser an den jeweiligen Charakter des Schauspielers anpassen und unnötige Ausführungen werden vermieden. Jeder Schauspieler stellt eine andere Person mit den entsprechenden Attributen dar. Es wäre langweilig, wenn alle Schauspieler irgendwie gleich wirken würden. Um Unterschiede herauszustellen dienen z.B. der Aussprache, Betonung, Wortschatz, Akzent bzw. Dialekt, oder auch Stottern. Es sollte beachtet werden, dass die Sprache ein Teil der Persönlichkeit eines Schauspielers (auch realen Person) darstellt und sich auch nicht gravierend über längere Zeiträume ändert.

Dialoge einfach verfassen
Dialoge sollten grundlegend einfach und möglichst kurz gestaltet sein. Eine Grundregel besagt, auf eine Aktion folgt eine Reaktion. Zu lange oder zu komplizierte Dialoge erzeugen schnell Langeweile beim Zuschauer. Wenn Dialoge die Handlung nicht weiterbringen, sollten sie nicht gehalten werden, denn jeder Zuschauer fragt sich dann, was das nun soll. Langweiliges Geplapper geht einem auch im reellen Leben schnell auf den Nerv. Dialoge dienen dazu, um Konflikte zu erzeugen und die Handlung erklären und voranbringen. Sie können weiterhin Informationen über die Charaktere vermitteln. Gags und Coole Sprüche heitern sicherlich einen Film auf, jedoch ist das nicht bei jedem Film wie z.B. einem Horrorfilm geeignet.

Unwichtiges weglassen
Einmal abgesehen von Life-Auftritten, ist im Film die Zeit, in der etwas gesprochen werden kann sehr viel kürzer, als im tatsächlichen Leben. Wenn es nicht zur Erzeugung von Konflikten dienen soll, ist ein Dialog über z.B. das Wetter nicht der Wunsch des Zuschauers. Auch laute wie (Boris Becker 1985 = Äh, Äh, Äh, Ägypten) gehören nur dann in einen Dialog, wenn es die Charaktere des Schauspielers verlangt. Jeder Dialog soll möglichst eine Funktion erfüllen, jedoch soll der Zuschauer das nicht bemerken. Es ist meist realistischer, wenn ein Dialog in einem normalen Gespräch aufgenommen wird.

Direkte oder Indirekte Dialoge
Oft wird auch im echten Leben nicht direkt gesagt, was man wirklich will. Es wird gerne indirekt um das Thema herumgeredet, jedoch weiß jeder, worum es geht. Das wirkt realistischer und macht den Dialog spannender.

Beispiel für einen direkten Dialog:
A:Wollen wir heute essen gehen?
B:Nein, ich habe keine Lust.
A:Warum denn nicht, das wäre schön.
B:Nein, ich habe keine Lust.

So könnte ein indirekter Dialog aussehen:
A:Man, habe ich einen Hunger und wir haben nichts im Kühlschrank.
B:Im Kühlschrank ist noch jede Menge.
A:Es ist aber nicht dass, worauf ich Appetit hätte.
B:Schade, aber Essen zu gehen ist mir auch zu teuer.

Dialoge mit Handlungen kombinieren
Eine Handlung kann in einem Dialog das gesagte verstärken.
Beispiel:
A sitzt am Tisch: Ich hau dir gleich eine hinter die Ohren.
Oder:
A sitzt am Tisch, steht auf und holt mit der Hand aus: Ich hau dir gleich eine hinter die Ohren.

Auch die Umgebung nimmt einen deutlichen Einfluss auf die Aussage der Scene. Das obige Beispiel würde sicherlich anders wirken, wenn es sich in einem piekfeinen Restaurant oder einer Spelunke abspielen würde.

Monologe
Mit einem Monolog ist der Grundsatz "Auf Aktion folgt Reaktion" so gut wie nicht erfüllbar. Dennoch können Monologe in seltenen Fällen ihren Sinn haben, sollten aber möglichst kurzgehalten sein.

Dialekte
Dialekte erzeugen eine Zuordnung einer Person zu einem bestimmten Umfeld und Klischees. Das könnte aber nicht gewollt sein. Deshalb das nie beim Schreiben von Dialogen vergessen. Stelle man sich nur einmal einen Western mit gesprochenem Oxford-English, oder ein Sachse in einem Bayrischen Heimatfilm vor. Da passt einfach etwas nicht.

Kontrolle
Um einen geschriebenen Dialog zu prüfen, könnte man sich folgende Fragen selber beantworten:
  • Ist der Dialog unbedingt nötig?
  • Liegt ein Konflikt vor?
  • Klingt der Dialog nach Klischees?
  • Ist der Dialog abwechslungsreich und spannend?
  • Kann es nicht besser indirekt gesagt werden?
Auch die Zeichensetzung ist entscheidend, wie ein Satz ausgesprochen bzw. betont wird. Nach einer Prüfung des Erstellers, ist es bestimmt nicht falsch, das Drehbuch von anderen Personen bezüglich Dialogen lesen zu lassen und die Meinung einzuholen. Selber erkennt man oft als letztes Unstimmigkeiten usw.

Fazit
Wer gute Dialoge schreiben will, braucht viel Geduld. Es erfordert einiges an Übung, um das richtige Gefühl für gute Dialoge zu entwickeln. Dieses Gefühl bekommt man am besten durch viel Übung und natürlich auch in Filmen bewust darauf zu achten. Wer diese Tips umsetzt, ist schon sehr viel weiter.


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