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Ton bzw. Vertonung

        (Stand: 17.09.2019)

Die folgenden Punkte geben einen Überblick, was man alles bedenken könnte. Bei weitem nicht jeder hat das nötige Equipment oder auch nur die Zeit bzw. Lust, alles umzusetzen. Der Überblick soll auch nur eine Art Ceckliste darstellen.

Grundsätzliches

Der fertige Film kann in Mono, Stereo oder auch in Mehrkanalton ausgegeben werden. Je nach Ziel muss schon vor der Aufnahme bekannt sein, wie das umgesetzt werden soll. Die meisten Kameras verfügen über ein Stereo Mikrofon. Stereo lässt sich mit einem Soundeditor zu Mono umformen. Die Formate Mono und Stereo sollten daher kein Problem darstellen. Anders bei Dolby Digital bzw. Dolby Surround. Einige Kameras verfügen bereits über Mikrofone, die im 5.1 Ton aufnehmen können. Auf die meist unzureichende Qualität der eingebauten Kameramikrofone möchte ich hier nicht eingehen. Vor einigen Jahren war es noch eine Geldfrage, den 5.1 Ton bearbeiten und ausgeben zu können. Heute gehört das eher zum Standard in einem Schnittprogramm. Aus 5 einzelnen Mikrofonen kann alternativ auch ein Mikrofonverbund im Eigenbau hergestellt werden, mit dem ein Dolby Surround 5.0 Ton direkt aufgenommen werden kann. Den fehlenden Kanal für den Bass kann durch Filter im Nachhinein erzeugt werden.
Mit einem geeigneten (Schnitt)Programm kann aber trotz Mono oder Stereoaufnahme ein 5.1 Ton erzeugt werden. Zum Beispiel kann das Geräusch eines fahrenden Autos passend zum Film von hinten links nach vorne rechts verlaufen. Das Fahrgeräusch kann dabei durchaus aus einem Geräuscharchiv hinzugemischt werden.

Der gute Ton
  • Separate Mikrofone einsetzen bzw. Fremd-Ton verwenden (Live-Recording an gleichwertigen Stellen, oder Geräuscharchiv )
  • Richtcharakteristiken der Mikros beachten
  • Windschutz verwenden, Hasenfell
  • Je dichter am Mikro, desto besser der Ton
  • Ansteckmikrofone verwenden
  • Ton über Kopfhörer kontrollieren
  • Mikrofon ruhig in der Hand halten
  • Batterie auf Ladezustand überprüfen (Kond.-Mikro)
  • Tonaufzeichnung bei Mikrofonen mit XLR Anschluss.
  • Mikrokabel muss man im Bild nicht sehen
  • Keine Mikroschlaufen um die Hand legen
  • Reporter-Mikrokabel nicht spannen.
  • Bei Verwendung von Camcorder-Mikro nicht sprechen während der Aufnahme
  • Bei Aufnahmen mit "Überdruck" (Disco) unbedingt ext. Mikro verwenden

Soundkarte, Mischpult oder Audiointerface

Auch die Hardware ist zu klären, denn es gibt wie so oft verschiedene Möglichkeiten. Es geht hier hauptsächlich um die Aufnahme über ein Mikrofon, das sogenannte Voice-Over. Ob ein XLR- oder USB-Mikrofon Verwendung findet, hängt u.a. vom Einsatzzweck ab. Bei einem USB-Mikrofon befindet sich der Vorverstärker (Preamp) und Analog/Digital-Wandler (A/D-Wandler) im Mikrofon. Bei XLR wird das Signal so wie es reinkommt an beliebige Geräte mit XLR-Input geschickt, um dann dort aufbereitet zu werden. Die Kabellänge zwischen Mikrofon und Aufnahmegerät ist bei XLR deutlich länger als bei USB. Im Grunde genommen ist hier ein Vergleich nicht wirklich möglich, da die Werte extrem voneinander abweichen.

Soundkarten Die eingebaute Soundkarte im PC ist erst einmal die einfachste Lösung und reicht sicherlich dem einen oder anderen völlig aus. Es gibt aber auch Soundkarten im höheren Preissegment, wie z.B. die Fairlight Audio Accelerator von Blackmagic Design. Sie hat eine verblüffend minimale Latenz im Mikrosekundenbereich für Hunderte von Spuren. Es sind bis zu sechs echtzeitfähige VST-Plug-ins pro Kanal und Spur möglich. XLR-Anschlüsse sind allgemein bei eingebauten Soundkarten nicht üblich.
Mischpult Ein Mischpult sieht erst einmal mit den vielen Schiebe- und Drehregler am Imposantesten aus. Aber wie der Name schon sagt, handelt es sich primär um das Zusammen- bzw. Abmischen von verschiedenen Eingabekanälen, die aufeinander z.B. in der Lautstärke abgestimmt werden müssen. Am PC bzw. Server kommt meist ein Stream an, wo nicht mehr die einzelnen Eingabekanäle separat bearbeitet werden können. Viele nutzen ein USB-Mischpult. Solche Mischpulte sind nicht wirklich gut für die Tonübertragung geeignet, denn die Preamps und A/D Wandler sind gerade bei günstigen Mischpulten von so schlechter Qualität, dass ein deutliches Rauschen wirklich zu hören ist. Eventuell ist es besser, den Line-Output des Mischpults an den Line-Input (Hellblaue Buchse) der Soundkarte anzuschließen. Es stellt sich jedoch die Frage, ob man wirklich mehrere Mikrofoneingaben und sonstige Eingangskanäle bei der Erstellung eines Videos zusammenmischen muss, oder es besser ist, jede Spur im Nachhinein noch bearbeiten zu können. Bei Live-Mitschnitten mit mehreren Eingabekanälen sind Mischpulte natürlich die bessere Lösung, denn dafür wurden sie gebaut.
Audiointerface Ein Audiointerface ist primär für die Mikrofonaufnahme mit entsprechend guten Preamps und A/D Wandlern gebaut und hat dadurch seine Vorteile, was die Soundqualität bei Mikrofoneingängen anbelangt. Es handelt sich hierbei in Grunde genommen um eine externe Soundkarte, jedoch mit XLR-Anschlussbuchsen. Es wird auch kein zusätzlicher Slot im PC benötigt, was durchaus ein Problem darstellen könnte. Es gibt die Audiointerface von einem bis mehreren Anschlüssen wie z.B. der Focusrite Scarlett 18i20 2nd Gen mit u.a. 8 Mikrofon-Preamps, ADAT In/Out (optisch) und S/PDIF In/Out (coaxial).

5G-Technik in der Audio-Übertragung:
5G (fünfte Generation des Mobilfunks) ist der Nachfolger von 4G (LTE). Technisch sind damit bis zu 20 GBit/s möglich. Dies wird nicht sofort erreicht. Das Ziel wird in mehreren Stufen realisiert. Dazu sind dann auch Frequenzen über 20 GHz für Kurzstreckenverbindungen nötig. Zunächst werden Übertragungsraten von 1 GBit/s angepeilt. Das wird in der Praxis einen mittleren Datendurchsatz von ca. 100 Mbit/s sein.
Bei 5G geht man von Latenzzeiten von unter einer Millisekunde aus, was erstmalig auch Echtzeitanwendungen im Mobilfunk ermöglicht.
Headset Bisher nutzen wir für die Übertragung von Audio und für Intercom-Lösungen entweder analoge oder digitale Systeme im UHF-Band, im speziellen Frequenzbereich um 1,8 GHz, im ISM-Band 2,4 GHz oder im DECT-Band. Die Frage stellt sich, ob in Zukunft noch der klassische Mikrofon-Drahtlosfunk mit seinen speziellen Geräten die Lösung ist?
5G-Übertragung Mit der Integration von Funknetzsystemen in einer Mobilfunk-IP-Infrastruktur ergeben sich einige Möglichkeiten, denn es lassen sich z.B. Mobilfunk-Handys in das System über Apps leicht integrieren. Zudem wird die Systeminfrastruktur weitgehend in das Mobilfunknetz verlagert und die Kommunikationsstrukturen nur noch virtuell im Netz abgebildet. Über Gateways lassen sich auch andere Telekommunikations-Infrastrukturen einbinden, da diese ja heutzutage sowieso meistens IP-basiert sind.

Fazit:
Wer seine Filme nachträglich kommentieren möchte (Voice Over), sollte ein Audiointerface in Erwägung ziehen, denn es geht um die Aufnahme mit einem Mikrofon. Das wird technisch und qualitätsmäßig am besten von einem externen Audiointerface mit XLR-Anschlüssen umgesetzt. Es ist auf jeden Fall weitaus günstiger, als ein Mischpult mit gleicher technischer Qualität. Bitte aber auch auf die Mikrofone achten, denn mit einem schlechten Mikrofon kann kein guter Ton erzeugt werden.
Die Hintergrundmusik bzw. Gräusche aus dem Geräuscharchiv sind bereits Digital und benötigen normalerweise keinerlei Filter, Verstärker oder sonstiger Gimmicks. Es bleibt also fast immer nur die Mikrofonaufnahme zu betrachten.
Ürigens, wer seine Hintergrundmusik selber erstellt, ist sicherlich an MIDI IN/OUT interessiert. Auch das findet man bei externen Audiointerfaces wie z.B. bei dem Gerät Focusrite Scarlett 18i20 2nd Gen.
Fairlight war und ist wohl auch noch der Inbegriff für Musikmanipulation und Steuerung in elektronischer Hinsicht. Es wurde von Blackmagic aufgekauft und ab Resolve in der Version 14 integriert. Fairlight hat eigene Mischpulte, die von den Kosten, aber auch vom Platzbedarf in einer "normalen" Videoproduktion nur schwer ihren Platz finden können. Es reicht aber ein Audiointerface, was mit 24 Bit/196 Khz arbeiten kann.

Interviews
  • Thema gründlich recherchieren
  • Klare Aussagen verwenden
  • Richtigen Gesprächspartner wählen. Feinfühlig vorgehen
  • Vorsicht vor "Vielschwätzern"!
  • Ruhe bewahren, dann bleibt es der Gegenüber (oft) auch
  • Nicht so lange probieren, das macht oft beide nervös!
  • Hintergrund sollte zum Thema passen, sonst "offenen" Hintergrund wählen!
  • Feste Bildausschnitte wählen, nicht wild "herumzoomen"
  • Achtung wichtig! "Logische" Hintergrundgeräusche vermeiden (Musik)
  • Bei Verwendung nur einer Kamera Position wechseln!
  • Mikrofon ruhig halten, Körperschall
  • Nicht mehrere Fragen mit einmal stellen
  • eventuell Fragestellungen nachdrehen
Wirkung der Musik
  • Musik unterstreicht die bildlich dargestellte Stimmung
  • Musik wirkt gegen die Stimmung der bildlichen Darstellung
  • Die Musik setzt einen Kontrapunkt zum Bild
  • Musik erzeugt Assoziationen
  • Liedertexte können Kommentarfunktionen übernehmen
  • Musik deutet einen Handlungsfortgang an (Liebesszenen)
  • Musik erzeugt Spannung und Angst
  • Musik kann auch überraschen (lauter Toneinsatz)
  • Musik gleicht Tonsprünge aus (Tonlöcher, Knacker,...)
Film-Ton

Jeder Handlungsort im Film hat eine charakteristische Grundatmosphäre. Es wird in der Filmsprache als raumstatisches Grundrauschen bezeichnet. An der Hintergrundatmosphäre orientiert sich der Zuschauer auch bei Zwischenschnitten und neuen Bildinhalten und erkennt, dass er den Handlungsort noch nicht verlassen hat. Der Hintergrundton muss für eine zusammenhängende Sequenz von Einstellungen immer eine gleichbleibende Charakteristik besitzen, sonst "springen" die Bilder. Wir müssen daher am Drehort immer genug Atmosphären aufzeichnen, auch wenn dabei das Bild unwichtig ist. Wir bezeichnen das als Nur-Ton-Aufnahme. Fehlt die Grundatmosphäre hilft oftmals auch der Griff ins Geräuscharchiv .

Aufnahmetechnik

Die Mikrofone müssen so nah wie möglich an die Schallquelle herangebracht werden, damit wir möglichst viel Nutzpegel einfangen können. Im Normalfall verwenden wir das Kameramikrofon. Soll aber beispielsweise ein Dialog im O-Ton aufgezeichnet werden, können verschiedene Probleme auftreten. Stehen unsere Schauspieler zu nahe an einer Straße würde der Autolärm unsere gute Absicht zunichtemachen. Hier hilft nur ein Zusatzmikrofon, was nah besprochen werden kann.
Bei der Nachvertonung eines Videos werden oft Kommentare mit Hilfe des so genennten "Voice over" nachträglich besprochen.
Dazu sind Interviewmikrofone am besten geeignet.

Der Kommentar

Kommentare vermitteln im Film zusätzlich Wissen und Fakten. Dabei können wir den Text live, während der Aufnahme aufsprechen (das verlangt allerdings viel Übung), oder nachträglich auf die Tonspur aufnehmen. In beiden Fällen sollten Kommentare aus kurzen Sätzen und lebendigen Betonungen bestehen. Bildliche und textliche Aussagen müssen übereinstimmen. Aber Vorsicht: Die Sprache muss nicht immer das ausdrücken, was ohnehin schon auf dem Bild zu sehen ist. Musik berührt die Gefühlswelt der Menschen unmittelbar. Die bildliche Aussage lässt sich durch die passende Musik um ein vielfaches steigern und dramatisieren. Je genauer die beabsichtigte Wirkung klar ist, desto besser wird später die Musikauswahl gelingen.

Die Hintergrundmusik

Die Gema-Freie Hintergrundmusik ist immer wieder ein Thema. Es gibt aber genügend Quellen. Man muss nur etwas Geduld haben und sich die Stücke anhören.


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